Handlungsempfehlung für politische und fachliche Entscheidungsträger:
Fachliche Vorschläge der VmDD zur Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für Medizinische Dokumentare in Deutschland im Kontext des Fachkräftemangels
(aktualisiert am 15. November.2025)

Einleitung und historische Entwicklung

Der Beruf des Medizinischen Dokumentars entwickelte sich als Reaktion auf den wachsenden Bedarf an einer systematischen, strukturierten und qualitätsgesicherten Dokumentation medizinischer Informationen. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Gesundheitswesens sowie dem stetigen Anstieg medizinischer Datenbestände hat sich dieses Tätigkeitsfeld kontinuierlich weiterentwickelt und professionalisiert.

In frühen Phasen des modernen Gesundheitssystems kam der medizinischen Dokumentation eine vergleichsweise untergeordnete Bedeutung zu. Dokumentationsaufgaben erfolgten überwiegend dezentral durch medizinisches Personal und Einrichtungen, häufig in papierbasierter Form und ohne einheitliche Strukturen. Mit dem medizinischen Fortschritt und der zunehmenden Komplexität diagnostischer und therapeutischer Verfahren wuchs jedoch der Bedarf an spezialisierten Fachkräften.

Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren wurde in Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen die Notwendigkeit eigens qualifizierter Mitarbeitender für die Erfassung, Organisation und Auswertung medizinischer Daten erkannt. Medizinische Dokumentare übernahmen dabei Aufgaben wie die strukturierte Erfassung von Patientendaten, Krankengeschichten und Befunden sowie die Sicherstellung der Verfügbarkeit und Qualität medizinischer Informationen.

Im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens erweiterte sich das Aufgabenspektrum kontinuierlich. Neben der medizinischen Klassifikation und Codierung entwickelten sich medizinische Dokumentare zu Fachkräften für digitale Dokumentations- und Informationssysteme. Heute leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung, Effizienz und Transparenz in der Gesundheitsversorgung sowie zur medizinischen Forschung.

Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven

Trotz dieser fachlichen Bedeutung wird der Beruf des Medizinischen Dokumentars aus Sicht der Vereinigung Medizinischer Dokumentare Deutschlands (VmDD) nicht in allen Bereichen in angemessener Weise berücksichtigt oder gefördert. Parallel zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens sind neue Berufsbezeichnungen und Qualifikationsprofile entstanden, darunter auch das Berufsbild des Medizinischen Informationsmanagers.

Nach Einschätzung der VmDD bestehen zwischen diesen Berufsbildern in vielen Fällen inhaltliche Überschneidungen, wobei Unterschiede häufig in der akademischen Einordnung oder der Benennung von Modulen im Rahmen hochschulischer Akkreditierungsverfahren liegen.

Vor diesem Hintergrund sieht die VmDD einen fachlichen Diskussions- und Handlungsbedarf, insbesondere im Hinblick auf:

  • die Würdigung der historischen Entwicklung des Berufs Medizinischer Dokumentare,
  • die fachliche Einordnung dieses Berufs innerhalb der Informations- und Dokumentationsdienste im Gesundheitswesen,
  • sowie die transparente Darstellung von Qualifikationswegen und Kompetenzprofilen.

Die Hierarchietabelle und Klassifikationsdatenbank der VmDD

Die Vereinigung Medizinischer Dokumentare Deutschlands (VmDD) hat eine verbandseigene Hierarchietabelle für Berufe im Informations- und Dokumentationsdienst des Gesundheitswesens erarbeitet. Grundlage bildet das H-Modul der Klassifikationsdatenbank VmDD-Kldb2021.

Die Klassifikation berücksichtigt unter anderem:

  • die Entstehungsgeschichte der jeweiligen Berufsbilder,
  • den fachlichen Komplexitätsgrad,
  • das Qualifikations- und Bildungsniveau,
  • sowie die typischen beruflichen Anforderungen.

Auf Grundlage dieser verbandlichen Analyse kommt die VmDD zu der fachlichen Einschätzung, dass der Beruf des Medizinischen Dokumentars aufgrund seiner historischen Entwicklung, seiner inhaltlichen Breite und seiner Rolle im Gesundheitswesen eine zentrale Stellung innerhalb dieses Berufsfeldes einnimmt.

Die Hierarchietabelle stellt keine rechtlich verbindliche Einstufung dar, sondern dient der fachlichen Orientierung und Diskussion.

Empfehlungen für politische und fachliche Entscheidungsträger

Stärkung der beruflichen Wahrnehmung

Aus Sicht der VmDD sollte die historische Entwicklung und fachliche Bedeutung des Berufs Medizinischer Dokumentare in der beruflichen Einordnung und öffentlichen Wahrnehmung stärker berücksichtigt werden.

Förderung der Vergleichbarkeit von Ausbildungswegen

Die VmDD spricht sich für eine transparente Vergleichbarkeit von dualen und akademischen Ausbildungswegen im Bereich der medizinischen Dokumentation und des medizinischen Informationsmanagements aus, um qualifizierten Fachkräften angemessene Entwicklungs- und Vergütungsperspektiven zu eröffnen.

Sicherstellung von Ausbildungsqualität und Berufsförderung

Zur langfristigen Sicherung der Ausbildungsqualität regt die VmDD an, bestehende Ausbildungsordnungen und Regelwerke regelmäßig zu überprüfen und fachlich weiterzuentwickeln, im Rahmen der jeweils zuständigen staatlichen Verfahren.

Begleitung der digitalen Transformation

Die fortschreitende Digitalisierung des Gesundheitswesens erfordert kontinuierliche Qualifizierung und Anpassung der Kompetenzprofile. Medizinische Dokumentare leisten hierbei aus Sicht der VmDD einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung digitaler Dokumentations- und Informationssysteme.

Stärkung der Zusammenarbeit relevanter Akteure

Die VmDD empfiehlt eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Kliniken, Krankenhäusern, Fachgremien und Berufsverbänden, um nachhaltige Lösungen für den Fachkräftemangel und die Weiterentwicklung des Berufsfeldes zu entwickeln.

Schlussbemerkung

Nach fachlicher Einschätzung der VmDD trägt der Beruf des Medizinischen Dokumentars wesentlich zur Qualitätssicherung, Effizienz und Weiterentwicklung des Gesundheitswesens bei. Eine strukturierte Förderung, transparente Qualifikationswege und eine sachgerechte Einordnung des Berufsbildes können aus Sicht der VmDD dazu beitragen, dem Fachkräftemangel zu begegnen und die Grundlagen für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung in Deutschland zu stärken.

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.